HDR / DRI

Hallo Fotofreunde!

Heute ein etwas umpfangreicherer Workshop, deshalb kurz ein Überblick was euch erwartet:

1. Begrifferklärung: Was ist DRI, HDR(I), Tonemapping, LDR

2. Belichtungsreihe aufnehmen.

3. Weiterverarbeitung
3a. Vorverarbeitung der Bilder
3b. HDRI-Erstellung mit Photomatix Pro
3c. DRI-Erstellung mit dem Traumflieger DRI-Tool
3d. HDRI-Erstellung nach meiner Methode (Photomatix und Photoshop)
3e. Nachbearbeitung
4. Update

1. Die Begriffe

HDR: Ein recht ungenauer Begriff, der einfach Hoher Dynamikumpfang heißt. Da wir mit Bildern arbeiten, sollten wir HDRI (High Dynamic Range Image) sagen. Das HDRI ist ein Bild mit sehr hohem Kontrastumpfang... Die Welt an sich hat einen Dynamikwert von etwa 100.000:1. Ein LDR (Low Dynamic Range Bild, normaeles Kamerabild) hat einen Wert von 1000:1. Ein HDRI hat einen Wert von 2000 bis x:1 (je nach Anzahl der verwendeten LDR's (2 bis y, x=y*1000). Ein HDR ist oft ein eignes Format (.hdr, openEXR, oder als floating Tif) und kann nicht auf normalen Medien angezeigt werden, dafür braucht es wieder ein LDR.

Tonemapping: Ein Komprimierungsverfahren was aus einem HDRI wieder ein LDR macht, welches auf normalen Medien dargestellt werden kann. Durch das umwandeln in HDR und das anschließende Tonemapping wird ein Kontrastmittelmaß erzeugt. Das kann man so weit treiben (mit genug Bildern), dass man etwa eine Schreibtischlampe (klassische Lampe, Schirm mit echter Glühlampe :) Richtung Kamera richtet. Auf dem fertigen LDR erkennt man dann was in den nun dunklen Bereichen des Schreibtischs liegt (die Lampe leuchtet ja jetzt zu uns), man erkennt den Reflektor der Lampe, und bei der Glühbirne (ich weiß, Glühlampe :) sogar noch den Draht erkennt, und nichts ist unter- oder überbelichtet. Bei diesem Beispiel würden wir sogar mehr erkennen als mit dem menschlichen Auge, oder wie oft seht ihr bei einer leuchtenden 60-Watt-Glühbirne die Windungen des Glühdrahtes?

DRI: Da wird nicht erst in ein HDRI umgewandelt, es wird einfach nur im LDR-Bereich ein Bild erstellt, was einfach nur die gut belichteten Bereiche enthält. Stellt euch das so vor: Ihr habt drei Bilder vom selben Objekt, im einen sind die Lichter schwächer, was die hellen Bereiche gut rüber bringt, in zweiten die Mitten, und im dritten die Schatten, nur nehmt ihr eine Schere, und schneidet die ganzen guten bereiche aus, und setzt sie zusammen. Das Ergebnis ist in den meisten Programmen sehr schnell da, und kann nur in der Weiterverabeitung verändert werden.

Kurze Zusammenfassung:
HDR: Hoher Dynamikumpfang
HDRI: Bild mit hohem Dynamikumpfang (kann nicht normal dargestellt werden (Druck oder Web))
LDR: Bild mit niedrigem Dynamikumpfang, nur das kann ausgedruckt werden.
DRI: Anderer Weg ein LDR zu erhalten, ohne Umweg über ein HDRI
Tonemapping: Aus einem HDRI ein LDR machen.

Mit HDRI in den nächsten Überschriften meine ich das fertige LDR mit dem scheinbar erhöhten Kontrastumpfang.

Das sollte erstmal reichen, das Internet oder gute Literatur gibt den wissbegierigeren Leuten unter euch noch mehr Informationen zu dem Thema.

2. Belichtungsreiche aufnehmen

Ganz wichtig für ein DRI ist die richtige Aufnahme der Einzelbilder. Wir gehen am Besten in folgenden Schritten vor:
- Kamera aufs Stativ (Photomatix richtet sich zwar die Bilder zurecht, aber das können nicht alle Programme)
- Am besten einen Selbstauslöser dran, ist nicht zwingend notwendig, aber beugt Verwacklungen zusätzlich vor.
- Aufs Motiv ausrichten... (das ist ein Schritt der sehr wichtig sein soll, hab ich gehört :)

- Kamera einschalten, und in den AV-Modus wechseln, dort etwa Blende 8 wählen (bei bestimmten Motiven müssen mehr Bilder als -2, 0 und +2 Blendenstufen gemacht werden, dazu dann bitte M wählen und alles einstellen, ABER: die Belichtungsstufen NICHT mit der Blende regeln, immer nur über die Belichtungszeit, da sich bei Blendenänderung auch die Tiefenschärfe ändert.
- Auflösung auf RAW stellen!
- Jetzt ins Menü und AEB (Belichtungsreihenautomatik) suchen, sieht in etwa so aus:

- Jetzt auf Reihenaufnahme stellen, mit diesem Button:

Zu beachten ist hier nur das untere Symbol, evtl. ist bei bestimmten Kameras die Belegung anders, es geht hier nur um die Reihenaufnahme.

- Im Display sieht es jetzt etwa so aus:

Wichtig sind die roten Bereiche (v.l.n.r.: AEB-Reihe, AEB-Abstand (Blendenstufe, hier +/-2), Reihenaufnahme, Format (RAW))

- (Fern-)Auslöser durchdrücken, und alle drei Bilder werden nacheinander geschossen.

Im Normalfall (im Gegensatz zu oben erwähntem Sonderfall, da macht ihr noch ein paar Bilder) könnt ihr jetzt die Kamera einpacken und nach Hause fahren, jetzt geht die EBV los.

3. Weiterverarbeitung


3a. Vorverarbeitung der Bilder

Die Vorverarbeitung besteht eigentlich nur aus dem Entwickeln von RAW zu Tiff (Jpeg ist nicht zu empfehlen, warum? Das würde jetzt ausufern, aber man sollte Aufgrund der höheren Bittiefe immer ins Tiff Format entwickeln, da einfach weniger Informationen wegfallen als bei Jpeg).
Ich benutze hierzu DXO Optics Pro, aber auch die zwei Programme von Canon (Digital Photo Pro. oder der RAW Image Task des ZB Browsers tun es, wie jeder andere Rawentwickler).
Nehmt einfach die Standarteinstellungen, und auf keinen Fall Belichtungsausgleich benutzen, warum sollte klar sein :)

Die Bilder in höchstmöglicher Qualität abspeichern, kleiner (Auflösung je nach Anwendung, 72dpi für Web, oder 300 für Ausdrucke) machen kann man sie zum Schluss, wenn man das fertige DRI vor sich hat.

Das wars schon... Bis auf eine Kleinigkeit:
An diesem Punkt kann man noch erwähnen das es sogenannte Pseudo-DRI's gibt, die aus nur einem Bild gemacht werden. Es wird ein normales RAW-Bild geschossen, und das mit +2, 0, und -2 Blendenstufen Belichtungsausgleich entwickelt, so das man wieder die drei Bilder hat. Nachteil hier ist, dass abgesoffene (keine Infos in den Schatten) oder ausgebrannte (zu hell / weiß) Stellen selten wiederhergestellt werden können. Für diese Infos braucht man halt eine echte Belichtungsreihe.

 

3b. HDRI-Erstellung mit Photomatix Pro

Ich habe jetzt 5 Bilder hier (-4, -2, 0, +2, +4), die Anzahl ist aber wurscht, die Schritte sind die selben.

Zuerst öffnen wir das Programm, dann wählen wir "HDR erstellen" aus:

Es öffnet sich ein Dialog, dort klicken wir auf "Browse" (durchsuchen) und suchen die Bilder aus, mit einem Klick auf OK bestätigen wir die Wahl.

Wenn die EXIF-Daten in den Bildern vorhanden sind, dann übernimmt Photomatix die Blendenwerte automatisch, ansonsten macht es euch einen Vorschlag, dort tragt ihr dann die korrekten Stufen ein, bei mir dann: 4, 2, 0, -2, -4.

Folgender Dialog erscheint dann:

Wir machen einen Haken in das unterste Kästchen, wenn wir nicht ausschließen können, das kleine Verwackler drin sind, den Rest lassen wir auf Standart, mit den anderen Einstellungen könnt ihr später Versuche starten, wir machen es uns jetzt einfach :)

 

Mit einem Klick auf OK legt das Programm los, und liefert und dann das fertige HDR Bild. Sieht dann etwa so aus:

Der Dynamikumpfang ist jetzt ziemlich hoch, deshalb sieht es so seltsam aus, aber aus den Begriffserklärungen oben wisst ihr ja warum und was noch folgt. Wenn ihr mit der Maus über einen Bereich fahrt, so wird der im HDR Viewer angezeigt, hier rechts. So habt ihr schonmal einen Vorgeschmack
Jetzt wählen wir Tonemapping aus dem Menü, damit wir zu unserem DRI kommen:

Jetzt geht ein Dialog auf, mit etwa einer Million Reglern:

Es gibt hier kein Patentrezept, ganz unten links könnt ihr auswählen in welcher Vorschaugröße das Bild angezeigt werden soll, den Rest müsst ihr probieren, ich habe hier mal eine eher Comicähnliche Version (links) und eine eher normale Version (rechts) eingestellt. Stellt einfach alles nach eurem Geschmack ein. Auf die einzelnen Regler geh ich jetzt auch nicht näher ein, da verweise ich euch lieber auf die Hilfedatei des Programms, da ist es ausführlich beschrieben. Sobald ihr es so habt wie ihr es wollt, ein klick auf OK, und das Programm berechnet das DRI.

Mit einem Klick auf File - Save as... speichert ihr es ab, am besten auch wieder als TIF, dann habt ihr bei der Endbearbeitung noch etwas Spielraum.

 

 
(Anklicken für die größeren Versionen)
   
3c. DRI-Erstellung mit dem Traumflieger DRI-Tool

Das wird jetzt der längste Abschnitt... :)
Das Traumflieger DRI-Programm hat nur einen einzigen Button: "Start".

Den mal drücken :)
Dann die Bilder auswählen, und mit einem Klick auf OK rattert das Programm schon los. Sobald es fertig ist erscheint der Speicherdialog, es wird als Tif gespeichert und fertig.

Es geht schnell und funktioniert sehr gut. Aber ein paar Einschränkungen muss man hinnehmen:
- Die Bilder MÜSSEN vom Stativ kommen, und dürfen keine Verwackler haben, denn Ausrichten kann dieses Tool nicht.
- Wenn man diesen künstlich wirkenden Effekt haben will (oder den übertriebenen Comicartigen Effekt) dann muss man mit Photoshop (Tiefen/Lichter) nacharbeiten, den das Programm gibt relativ sterile, dafür aber technisch sehr gute DRI's aus.

Eine weitere Möglichkeit ein Tonemapping bei diesen Bildern durchzuführen, ist mit Photomatix, oder anderen HDR-Programmen, diese Programme erkennen die Traumflieger-Tiff's als gelayerte Bilder, und man kann wie bei einem anders erstellten HDR ein normales Tonemapping drüber ziehen...

3d. HDRI-Erstellung nach meiner Methode (Photomatix und Photoshop)

Nun zu meiner Variante, die zwar etwas umständlich erscheinen mag, aber dafür oft bessere Ergebnisse liefert, nicht zuletzt weil man etwas mehr gestalterische Möglicheiten hat.

Photoshop kann seit Version CS3 auch HDR's zusammenfügen, sogar mit Ausrichtung der Ausgangsbilder, aber das macht Photoshop nicht ganz so gut wie Photomatix Pro. Also teile ich die Aufgaben auf, und lasse Photomatix ein HDR erstellen, welches ich dann mit Photoshop fertig bearbeite.

Hierzu führen wir die selben Schritte durch wie bei 3b. (DRI-Erstellung mit Photomatix Pro), bis zu dem Punkt an dem das Tonemapping kommen würde, das lassen wir jetzt weg, und speichern das HDR als Floating Tif.
Dazu gehen wir, wenn das HDR erstellt wurde, auf File - Save as... und im Speicher-Dialog wählen wir:

Diese Datei öffnen wir dann mit Photoshop (ich hab leider nur CS3 hier, weiß also nicht ob alle Versionen dieses Format lesen können, für Feedback hierzu bin ich dankbar).

Das ganze sieht dann extrem überbelichtet aus, etwa so:

Jetzt klicken wir auf Bild - Modus - 16-Bit-Kanal... dann komt ein neuer Dialog, indem wir aufgefordert werden Belichtung und Gamma einzustellen. Und das machen wir glatt. Es muss wieder ganz gut aussehen :) also rein intuitiv arbeiten, so wie es euch gefällt.

Wenn ihr den Comic-Look erzielen wollt, dann lasst es einen Tick überbelichtet, und zieht dann mit Bild - Anpassungen - Tiefen/Lichter die Tiefen dunkler, also die lichter auf 0 und die Tiefen so hoch wie es euch gefällt. Oder umgekehrt, also zu dunkel ins 16-Bit-Format ziehen und dann mit den Lichtern spielen.

Wollt ihr einen natürlichen Look, dann einen Tick unterbelichtet ins 16-Bit-Format konvertieren, und dann mit den Gradiationskurven arbeiten (Bild - Anpassungen - Gradiationskurven, klickt dann in der oberen rechten Hälfte auf die Schräge Linie, und zieht sie nach links, bis euch das Bild gefällt:

 

Danach könnt ihr mit Tiefen/Lichter oder anderen Filtern noch etwas experimentieren.

Das fertiger Ergebnis kann dann so aussehen (leicht Richtung Comic-Look, damit man das mal im Ansatz sieht):

Und zum Vergleich noch mal eine normale Belichtung, hier sieht man schön den Unterschied, beachtet mal das Gebäude im Vordergrund, da erkennt man fast keine Details, beim Funkturm und beim ICC (International Converntion Center) sieht man überbelichtete Bereiche usw.):

 

3e. Nachbearbeitung

Zur Nachbearbeitung gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, wie bei allen Bildern wird hier nun gerade gerichtet, ausgeschnitten, entrauscht, geschärft usw. Dafür habt ihr einige Tipps in meinen anderen Workshops.

Noch etwas wichtiges, was die meisten von euch sicher wissen: egal wie zufrieden ihr mit dem Ergebnis seid, HEBT DIE RAWS AUF! Man lernt immer dazu, und irgendwann lernt ihr noch einen Schritt, den ihr an dem Bild noch machen wollt, habt aber nur noch das fertige JPEG was ihr zum (Online-)Entwickler geschickt habt, dann beisst ihr euch sonst wohin, weil die nicht mehr da sind. Wenn sie noch da sind könnt ihr schon in der RAW-Konvertierung Sachen anders machen, die ihr gelernt habt.

4. ein kleines Update

Es gibt jetzt (naja, schon ein paar Tage :) ein Plugin für Photoshop, welches das Tonemapping von Photomatix darstellt.
Wer das hat kann sehr komfortabel und leicht einige Vorteile verbinden. Wie Photomatix kann natürlich Photoshop auch RAW-Dateien lesen, soweit ist es klar :)

Bei Photoshop gibt es unter Datei -> Automatisieren einen Punkt der "Zu HDR zusammenfügen" heisst. Wenn man diesen benutzt werden erst einmal die ganzen LDR Bilder zusammengeführt, und man muss nur noch ein Tonemapping darüber ziehen, dies ging in Photoshop derzeit nur per Hand (Tiefen/Lichter, Gradationskurven usw.) aber mit dem Plugin (hdrsoft.com) kann man es so komfortabel wie in Photomatix selbst machen.

Warum dann nicht gleich nur Photomatix benutzen?

Nun, da gibt es einige Punkte. Der erste ist, dass die Ausrichtung der LDR Bilder zueinander von Photoshop besser gelöst wird, besonders hilfreich bei schnellen Fotoreihen aus der Hand. Zum andern kann man so wirklich alles in einem Programm machen, von der Raw entwicklung (wird beim HDR erstellen gleich mit gemacht) bis hin zum fertig tonegemappten Bild, welches man dann noch zuschneidet, ausrichtet usw. Alles mit nur einem Programm, klasse... Das ist jetzt meine Standart Bearbeitungstechnik geworden. Auch wenn ich bei bestimmten Bildern noch das Traumflieger DRI-Tool verwende und die ausgegebenen Tiffs dann in Photoshop Tonemappe (ja mit dem Plugin).

Jetzt viel Spass beim nachmachen.

Feedback und Berichtigungen meiner Fehler sind wie immer gern gehört, und im Impressum findet ihr die Kontaktdaten.

Noch ein bis zwei Sätze: HDR vom Stativ aus ist klasse :) und in der Blauen Stunde (Der Zeit um den Sonnenuntergang, in der der Himmel schön blau ist) oder in der Nacht kaum anders möglich. Aber freihand geht natürlich auch, aber nur unter den passenden Lichtverhältnissen, Photoshop oder Photomatix und einige andere Programme können die Bilder (wenn die abweichungen klein genug sind) auch ausgleichen, und legen die Bilder passend übereinander.